Pflegeberufe

Die Pflegeberufe im DRK

Im Deutschen Roten Kreuz arbeiten beruflich Pflegende an 24 Stunden und sieben Tagen in der Woche für das Wohl von kranken und pflegebedürftigen Menschen jeden Lebensalters.  

Ob in der Akut- oder der Langzeitpflege, ob ambulant oder stationär. Ganz getreu dem Motto der internationalen Rotkreuzbewegung: Hilfe leisten, alleinig nach dem Maß der Not. Übrigens gerade auch in Krisen- und Katastrophensituationen; zahlreiche Mitglieder der DRK-Schwesternschaften beteiligten und beteiligen sich an humanitären Hilfseinsätzen im In- und Ausland. 

Damit sich diese Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortsetzen kann darf die Attraktivitätssteigerung der Pflegeberufe kein Lippenbekenntnis der Politik bleiben, sondern muss endlich der hohen Bedeutung der beruflichen Pflege für die Gesellschaft gerecht werden.  

Als Partner der durch die Bundesregierung gestarteten „Konzertierten Aktion Pflege“ setzt sich das Deutsche Rote Kreuz, gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen, für eine nachhaltige Aufwertung der Pflegeberufe ein, insbesondere in der „Ausbildungsoffensive Pflege“, aber auch in anderen Gremien, Beiräten und Expertengruppen, wie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

Darüber hinaus erarbeiten wir innovative Konzepte und unterstützen Einrichtungen und Dienste der Langzeitpflege bei der Entwicklung von tragfähigen Lösungen für die Praxis.  

Ein gelungenes Beispiel dafür ist das „Ein-STEP“ Projekt, in dessen Rahmen das neue Strukturmodell eingeführt wurde: ein Pflegeprozessmodell, das Pflegenden ermöglicht mehr Zeit mit den ihnen anvertrauten Menschen, statt mit Dokumentation und Bürokratie zu verbringen. Und nebenbei auch noch die Fachlichkeit von beruflich Pflegenden stärkt. 

Der demografische Wandel als treibender Faktor

Unsere Gesellschaft wird im Durchschnitt immer älter. Der medizinische Fortschritt und ein höheres Gesundheitsbewusstsein sorgen für ein längeres Leben. Gleichzeitig nehmen aber die Geburten ab, sodass es immer stärker zu einem Ungleichgewicht zwischen den jüngeren und älteren “Jahrgängen” kommt.  

Fachleute nennen dies den „demografischen Wandel“. Eine Begleiterscheinung dieser Veränderungen ist ein steigender Anteil von Menschen mit Pflegebedarf. Denn mit dem Alter reduzieren sich nicht nur die individuellen Ressourcen und Fähigkeiten. Es besteht auch ein höheres Risiko für chronische, meist degenerative Erkrankungen, die sich zudem bei vielen Betroffenen noch häufen. Die Medizin spricht an dieser Stelle von „Multimorbidität“. Einer der großen Risikofaktoren für das was gemeinhin als “Pflegebedürftigkeit” bezeichnet wird.

Dazu kommen weitere Faktoren des gesellschaftlichen Zeitgeistes, wie die höhere berufliche Mobilität, der Wandel der Fürsorgebilder, sowie das geringere Pflegepotential in der Familie. Sodass zukünftig mit einer zunehmenden Nachfrage für professionelle Pflegedienstleistungen zu rechnen ist.

Der Fachkräftemangel ist bereits jetzt allgegenwärtig

Doch bereits heute fehlen Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, wie die Pflegeausbildung seit 2020 heißt, in ausreichender Anzahl. Und zwar nicht nur in der Altenhilfe, sondern auch in den Krankenhäusern, Kurkliniken und Reha-Einrichtungen. Immer wieder zirkulieren daher Begriffe wie „Pflegenotstand“ durch die Flure und Medien. Eines ist daher klar: Wir brauchen mehr Menschen in den Pflegeberufen.  

Mit mehr „Köpfen“ alleine ist es allerdings nicht getan. Denn die Personen müssen auch den Anforderungen genügen, die das Berufsbild der professionellen Pflege mit sich bringt. Und da die individuellen Versorgungsbedarfe und -bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen zusehends komplexer werden; wie auch die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche von beruflich Pflegenden insgesamt. Wird zukünftig ein deutlich umfassenderer Kompetenz- und Qualifikationsmix in der Pflege benötigt werden.

Pflege ist universell

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Gleichsetzung von Altenhilfe mit professioneller Pflege. Denn Pflege findet in allen Lebensphasen statt: ob in Krankheit oder im Alter, ob zuhause oder institutionell, ob nach der Geburt oder im Sterben. Insofern trägt die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung diesem urmenschlichen, universellen Bedarf an Pflege Rechnung.  

Das 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz führt die vorherigen Ausbildungsgänge, die sich jeweils ausschließlich auf die Pflege von Kindern, Erwachsenen oder alten Menschen bezogen haben, zu einer gemeinsamen Ausbildung zusammen.  

Die vormalige Sonderrolle der Altenpflegeausbildung hing hierzulande insbesondere mit der historischen Entwicklung der Altenhilfe als Zweig der Sozialen Arbeit zusammen. Während die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, wie auch die Gesundheits- und Krankenpflege klassischerweise in einem klinischen Setting beheimatet waren. Die Folgen dieser künstlichen Trennung der Pflegeberufe sind noch bis heute spürbar, beispielsweise in dem Aufbau der Sozialgesetzbücher, oder den Strukturen der Selbstverwaltung.  

Internationaler Standard ist die generalistische Pflegeausbildung; meist in Form eines Hochschulstudiums. Daran können sich dann verschiedene Spezialisierungen anschließen, die in Form von Fort- und Weiterbildungen oder entsprechenden Master-Studiengängen, während der Berufslaufbahn erworben werden. 

Eine umfassende Fachkräftestrategie

In Deutschland wurde die Möglichkeit des grundständigen Bachelorstudienganges mit dem Inkrafttreten des Pflegeberufegesetz’ nun ebenfalls geschaffen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen des Pflegestudiums in Zukunft deutlich attraktiver werden, um eine nennenswerte Anzahl an hochschulisch qualifizierten Personen zu erreichen: Der Wissenschaftsrat fordert eine Quote von 10 – 20 % akademisch ausgebildeten Pflegenden. Davon sind wir noch weit entfernt. 

Gleichzeitig bestehen in den Bundesländern eine Vielzahl an landesrechtlich geregelten Helfer-/Assistenzausbildungen, die sich sowohl in ihren Inhalten als auch von ihrem Umfang her, teilweise stark voneinander unterscheiden. Was eine bundesweite Anschlussfähigkeit an die Pflegefachausbildung erheblich erschwert, sodass eine koordinierte Fachkräftestrategie für einen nachhaltigen Personalaufbau beinahe unmöglich ist. 

Aufwertung und Attraktivitätssteigerung

Doch egal um welches Qualifikationsniveau es sich handelt. Wir stehen immer vor der Herausforderung genügend geeignete Menschen für die berufliche Pflege zu gewinnen; diese bestmöglich zu qualifizieren, weiterzubilden, und in ihrer individuellen beruflichen Entwicklung zu fördern. Damit sie langfristig in der Berufspraxis gehalten werden können.  

Dies wird allerdings nur durch eine ernstgemeinte Aufwertung und Attraktivitätssteigerung aller Pflegeberufe gelingen. In diesem Kontext stellen sich zuallererst viele Fragen, die auch in der Fachwelt noch nicht abschließend beantwortet wurden, wie z.B.:

  • Welche Aufgaben übernehmen Pflegefachfrauen und -männer heute und in Zukunft?  
  • Was ist der optimale Personalmix, um den individuellen Bedarfen und Bedürfnissen von Menschen mit Pflegebedarf tatsächlich gerecht zu werden? 
  • Wer übernimmt welche Aufgaben und Funktionen in qualifikationsgemischten Pflegeteams? 
  • Über welche Kompetenzen und Befugnisse sollten beruflich Pflegende verfügen?  
  • Was bedeutet das für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pflegefach- und Hilfspersonen? 
  • Und wie lässt sich das alles nachhaltig finanzieren, ohne vulnerable Gruppen einseitig zu belasten?

Kontakt

Interessieren Sie sich für eine dieser Fragen? Suchen Sie eine Fachberatung?  Oder wollen Sie ganz allgemein mit uns ins Gespräch kommen? Melden Sie sich gerne, ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme! 

Christian Hener, MScHN

 


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