Buntstifte liegen kreisförmig auf weißem Papier. In der Mitte verlaufen zahlreiche Linien in verschiedenen Farben, die von den Stiften ausgehen und sich kreuzen. Am oberen Rand sind zwei gezeichnete Kinderfiguren mit unterschiedlichen Hauttönen und Frisuren zu sehen.

Mehr Inklusion in unseren Kitas wagen

Warum schon kleine Schritte in Richtung Inklusion Großes bewirken und Kinder, Pädagogik-Teams als auch die ganze Gesellschaft stärken: Meine Perspektive als Referentin für Kinder- und Jugendhilfe.

Die Veranstaltung zum Thema „Inklusion in der Kindertagesbetreuung öffentlicher Träger“ des Deutschen Vereins e.V. im Dezember 2025, vollgepackt mit gutgelingenden Praxisbeispielen aus den verschiedensten Kitas, hat mich sehr bewegt. Und nun steht in ein paar Tagen unsere eigene Fachtagung zum Thema Inklusion für Fachberatende Ende Februar 2026 in Leipzig an. Ich bin aus zwei Gründen besonders gespannt: Wie wird Inklusion derzeit in den Einrichtungen erlebt – eher als Hürde oder als Chance? Und vor allem: Wie begegnen pädagogische Teams den Herausforderungen im Alltag ganz konkret?

Mein Artikel soll ein kleines Motivationsschreiben für alle sein, die sich an dieses große Thema ranwagen: zu mehr Vielfalt und echter Teilhabe in Kindertageseinrichtungen – auch wenn der Anfang schwer erscheint. Oft sind es die kleinen ersten Schritte, die langfristig den Unterschied machen und die viele Kitas bereits erfolgreich gegangen sind.

Meine Perspektive auf das Thema Inklusion in Kitas

Als Referentin für Kinder- und Jugendhilfe beobachte ich immer wieder, wie wichtig es ist, dass Kinder in einem Umfeld aufwachsen, das sie stärkt, ihnen echte Teilhabe ermöglicht und Vielfalt nicht nur duldet, sondern aktiv erlebbar macht. Wenn man in die Praxis schaut, werden schnell Hürden sichtbar, die Unsicherheiten schaffen und vielleicht sogar zu Zurückhaltung führen, auf dem Weg zur inklusiven Kita. Auch die Sorge um den Aufwand und die damit verbundenen Kapazitäten, die aufgebracht werden müssten, sind zu Beginn völlig berechtigt. Und wenn man sich entschlossen hat den Weg zu gehen, steht da steht nichts weniger als die große Frage im Raum: Wie sieht echte Inklusion überhaupt aus und schaffen wir das als Kitas, sie umzusetzen?

Dabei zeigt die Praxis als auch die Studienlage immer wieder: schon die kleinsten ersten Schritte in Richtung gelebter Inklusion lohnen sich enorm – für jedes einzelne Kind, für Familien, für pädagogische Teams und auf lange Sicht für die ganze Gesellschaft.

Drei Gründe, die uns Mut machen sollen, Inklusion in unseren Kitas konsequenter zu gestalten

1. Inklusion stärkt Kinder – und zwar ausnahmslos jedes Kind

Wenn wir über Inklusion sprechen, denken viele zuerst an Kinder mit besonderem Förderbedarf. Doch Inklusion ist weit mehr: Sie ist ein pädagogisches Prinzip, das jedes Kind berücksichtigt, wertschätzt und unterstützt.

In einer inklusiven Kita erlebt jedes Kind: Ich werde gesehen. Ich darf so sein, wie ich bin. Ganz nach dem Motto und dem Bewusstsein: Wir sind alle anders. Ich bekomme, was ich brauche, um mich gut zu entwickeln und gut aufzuwachsen zu können. Diese Erfahrung prägt ein Leben lang. Kinder, die erleben, dass Vielfalt normal ist, entwickeln ein starkes Selbstwertgefühl, weniger Vorurteile und eine hohe Empathiefähigkeit. Unterschiede werden nicht als Hindernisse verstanden, sondern als Teil gesellschaftlichen Zusammenlebens: Je früher Kinder diese Haltung entwickeln, desto größer ist ihr Schutz vor Ausgrenzung. 

2. Inklusion stärkt das Team – und entlastet langfristig

Inklusion bedeutet nicht: „Wir leisten jetzt mehr.“ — es bedeutet: „Wir arbeiten anders – bewusster, strukturierter und mit klareren Blicken auf die Bedürfnisse jedes Kindes.“

Auf der Veranstaltung zum Thema Inklusion im Dezember 2025 berichteten verschiedene Kitas, die inklusive Ansätze leben: Teams kommunizieren besser miteinander, pädagogische Entscheidungen werden reflektierter getroffen, Konflikte werden frühzeitiger erkannt und professioneller begleitet.

Yara-Katharina Andree, Referentin im Arbeitsfeld Kindheit, Jugend, Familie und Soziale Berufe des Deutschen Vereins verdeutlicht: Schutzlücken entstehen vor allem dort, wo Strukturen nicht inklusiv gedacht sind. Klare Kommunikation, Beteiligung und gemeinsame Verantwortung, d.h. gelebte Inklusion in Kitas entlasten Teams langfristig, weil Entscheidungen transparenter gemacht und Bedürfnisse daher besser berücksichtigt werden.

Inklusion bedeutet also nicht mehr tun, sondern anders arbeiten: kooperativer, reflektierter, planvoller. Sie ist die Chance, dass Fachkräfte ihr eigenes pädagogisches Selbstverständnis weiterentwickeln – Sicherheit, Professionalität und Klarheit im Umgang mit Vielfalt gewonnen wird – und genau diese Klarheit reduziert langfristig Belastung. Teams profitieren von inklusiven Strukturen. Und starke Teams sind die wichtigste Ressource einer Kita.

3. Inklusion ist der Schlüssel zu einer demokratischen, solidarischen Gesellschaft

Kitas sind die ersten Bildungsorte außerhalb der Familie – und prägen, wie Kinder später gesellschaftliches Miteinander verstehen. In einer Welt, die vielfältiger und komplexer wird, brauchen junge Menschen Räume, in denen sie demokratische Werte erfahren und leben können: Respekt, Mitbestimmung, Vielfalt und Solidarität.

Ein inklusiver Ansatz schützt alle Kinder – unabhängig von Behinderung, Herkunft, Geschlecht oder Staatsbürgerschaft – und wirkt damit aktiv Diskriminierung entgegen:

  • Kinder lernen, dass Vielfalt fester Bestandteil ist.
  • Alle haben das Recht dazuzugehören.
  • Beteiligung ist ein gelebtes Grundrecht.
     

Inklusion ist also nicht nur ein pädagogisches Konzept, sie ist ein demokratisches Fundament. Als Deutsches Rotes Kreuz (DRK) tragen wir Verantwortung dafür, diese Grundlagen zu stärken – für die Kinder von heute und die Gesellschaft von morgen. Ausführlich ist das in unserer Handreichung beschrieben: Inklusion in Kindertageseinrichtungen des DRK.Denn Inklusion ist eines der fünf Themen für das gemeinsame Qualitäts- und Rotkreuz-Profil der DRK-Kindertageseinrichtungen.

Mehr Inklusion wagen heißt: Zukunftsfähigkeit und bessere Rahmenbedingungen für alle

Inklusion ist kein Zusatz, kein Projekt, das irgendwann nebenbei läuft. Sie ist Haltung, Auftrag und Chance zugleich: Eine Chance für Kinder, für Fachkräfte, für Familien und für die gesamte Gesellschaft. Und sie beginnt dort, wo Kinder ihre ersten Schritte in eine gemeinsame Welt machen: in der Kita. 

Als Referentin für Kinder- und Jugendhilfe erlebe ich immer wieder, wie viel Potenzial in unseren Einrichtungen steckt – und wie viel wir bewirken können, wenn wir mutig, klar und vor allem gemeinsam für eine inklusivere Praxis einstehen.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mehr Inklusion zu wagen. Für jedes Kind. Für jedes Team. Für uns alle als Teil einer vielfältigen Gesellschaft.

Anlässlich des Themas würde ich gerne auf unsere beiden Podcast-Folgen zu unserem Profilthema Inklusion aufmerksam machen: