Menschen erarbeiten Indikatoren in einem Workshop.
Binden Sie Ihre Zielgruppen ein.

Wirkung sichtbar machen - mit guten Indikatoren als Hilfsmittel!

Wer sich in der Sozialen Arbeit engagiert, will etwas bewirken! Chancengleichheit für benachteiligte Kinder, Inklusion für Menschen mit Behinderungen, mehr Teilhabe für Geflüchtete – unsere Ziele sind nicht klein, wir haben viel vor! Aber woran erkennen wir, ob wir auf dem richtigen Weg sind, ob unsere Arbeit wirklich einen positiven Beitrag leistet?

In unserem Video haben wir viel über Indikatoren und Erhebungsmethoden gesprochen. In diesem Beitrag erklären wir noch etwas genauer, wie Indikatoren dabei helfen können, die Wirkung unserer Projekte sichtbar zu machen und was gute Indikatoren auszeichnet. Wir geben Tipps, die Ihnen dabei helfen sollen, die richtigen Indikatoren für Ihr Projekt zu finden. 

Was sind Indikatoren?  

In der Forschung sind Indikatoren ein wichtiges Hilfsmittel, um Dinge zu beobachten, die eigentlich nicht direkt beobachtbar sind. Beispiele dafür sind Armut, Gerechtigkeit oder auch Schwerkraft. Die Kunst besteht darin, die richtigen Indikatoren zu finden. Meist braucht man auch mehrere Indikatoren für eine angemessene Beschreibung.  

Und was hat das mit unseren Projekten zu tun? 

Es ist wichtig, regelmäßig inne zu halten und zu reflektieren, was gut läuft, was nicht und an welchen Stellen wir nachsteuern müssen. Dafür braucht es natürlich zunächst einmal Zeit, aber auch gute Werkzeuge. Indikatoren sind so ein Werkzeug. Sie helfen im Projektverlauf dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Am Ende eines Projektes nutzen wir Indikatoren, um einzuschätzen, inwiefern das Projekt erfolgreich war. Übrigens, auch Zuwendungsgeber verlangen zunehmend das Nachhalten von Indikatoren für den Projektfortschritt.  

Wenn zum Beispiel ein DRK-Sportkurs für ältere Menschen angeboten wird, könnte ein Ziel sein, das Wohlbefinden der Teilnehmenden zu stärken. Aber worin besteht das Wohlbefinden konkret? Hier kommen Indikatoren ins Spiel! Ein Aspekt könnte die subjektive Einschätzung durch die Teilnehmenden sein, ein weiterer der Grad der Mobilität und die Anzahl neuer sozialer Kontakte, die durch die Teilnahme am Sportkurs entstehen. Indikatoren machen unsere großen Ziele beobachtbar. Dadurch fällt es leichter, regelmäßig zu reflektieren, wie wir zu diesen Zielen beitragen. 

Indikatoren Schritt für Schritt entwickeln 

Binden Sie Ihre Zielgruppen ein. Laden Sie Vertreterinnen und Vertreter Ihrer Zielgruppen dazu ein, in einem Workshop gemeinsam zu überlegen, woran Sie den Erfolg des Projektes beobachten können. Zum Beispiel könnten Sie dazu das Wirkungslogik-Canvas nutzen, das wir für Sie entwickelt haben (klicken Sie für das Wirkungslogik-Canvas hier). Je nach Zielgruppe bieten sich natürlich unterschiedliche Ansätze und Vorgehen an. In Ihrem Sportkurs könnten Sie nach der ersten Stunde bei Kaffee und Kuchen informell mit den Teilnehmenden darüber sprechen, was sie sich von der Teilnahme am Kurs erhoffen. 

Überlegen Sie sich, für welche Ziele Ihres Projekts Sie Indikatoren entwickeln wollen. Wählen Sie drei bis fünf Ziele aus. Wenn Sie ein mehrjähriges Projekt haben, starten Sie mit den (Zwischen-)Zielen, die Sie innerhalb der nächsten zwölf Monate erreichen wollen. Schreiben Sie die Ziele auf Karten oder auf ein großes Blatt Papier.  

Überlegen Sie für jedes Ziel, woran Sie konkret erkennen, ob es eingetreten ist. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt. Seien Sie dabei so spezifisch wie möglich. Als Kontrollfrage kann es hilfreich sein, zu überlegen, ob Ihr Indikator möglicherweise auch auf andere Dinge hinweisen kann. Wenn zum Beispiel die Teilnehmenden Ihres Sportkurses ihre Mobilität steigern, könnte das auch durch eine Physiotherapie bedingt sein, an der sie gleichzeitig teilnehmen. Vielleicht laufen sie auch zum Sportkurs und werden dadurch mobiler. Das wäre zwar ein positiver Effekt Ihres Kurses, allerdings ein zufälliger, was für Ihre Reflexion auch sehr spannend sein kann.  

Machen Sie sich klar, was Sie wirklich wissen müssen! Das Erheben und Auswerten von Indikatoren kann sehr zeitintensiv und kompliziert sein. Schnell hat man zu viele Indikatoren. Überlegen Sie sich, was Sie mit den gesammelten Informationen anders bzw. besser machen können. Weniger ist mehr! Versuchen Sie es für den Anfang mit maximal zehn Indikatoren. 

Bleiben Sie offen für weniger offensichtliche Hinweise! Zielgruppen haben manchmal ein ganz anderes Verständnis von Erfolg als die Projektverantwortlichen. Vielleicht ist es für die Teilnehmenden in Ihrem Sportkurs schon ein Erfolg, wenn sie sich regelmäßig zur Teilnahme aufraffen können, auch wenn sie den ganzen Kurs über auf der Bank sitzen und sich unterhalten.  

Nutzen Sie bestehendes Wissen! In vielen Bereichen der Sozialen Arbeit gibt es bereits eine Reihe anerkannter Indikatoren für unterschiedliche Ziele (z.B. die Fachkraft-Kind-Relation als Maß für die Betreuungsqualität in Kindertageseinrichtungen). Der Vorteil an anerkannten Indikatoren ist, dass es oft gute Vorlagen für deren Erfassung gibt. Bevor Sie selbst kreativ werden, lohnt es sich also, einmal in Ihren Fachnetzwerken und im Internet zu recherchieren, welche Indikatoren es bereits zu Ihrem Arbeitsfeld gibt und ob sie sich für Ihr Projekt anwenden lassen. Aber achten Sie darauf, nur Indikatoren zu wählen, auf die Ihr Projekt mit seinen Aktivitäten tatsächlich einwirkt.  

Legen Sie Verantwortlichkeiten fest! Bestimmen Sie abschließend, wie und wie oft die Indikatoren erhoben werden sollen, wann sie ausgewertet werden und wer dafür verantwortlich ist. Zu welchen Zeitpunkten wollen Sie die Ergebnisse dieser Auswertung für die Steuerung Ihres Projektes nutzen? Überprüfen Sie noch einmal kritisch, ob die notwendigen Ressourcen (Zeit, Know-how und ggf. Geld) für die Erhebung und Analyse zur Verfügung stehen. Diese Überlegungen sollten idealerweise zu Beginn eines Projektes erfolgen, damit sie entsprechend mit Ressourcen hinterlegt werden können.  

Wie, von wem und wozu Indikatoren erhoben, analysiert und diskutiert werden, können Sie in einer einfachen Liste festhalten. Für unseren Sportkurs für ältere Menschen haben wir die Liste mal beispielhaft ausgefüllt: 

tabellarischer Erhebungsplan für Indikatoren: Was? Wie? Wann? Wer?

Im Projektverlauf macht es Sinn, Ihre Indikatoren regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. Wenn Indikatoren sich als zu kompliziert oder wenig aussagekräftig erweisen, denken Sie sich Alternativen aus!  

Probieren Sie es aus! Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag haben oder Hilfe bei der Entwicklung von Indikatoren für Ihr Projekt brauchen, schreiben Sie uns: impact(at)drk(dot)de 

Im Internet gibt es außerdem viele weitere Hilfen zur Entwicklung von Indikatoren, zum Beispiel das Kursbuch Wirkung von Phineo: https://www.phineo.org/kursbuch-wirkung