

Wie lernen Kinder, dass jeder Mensch gleich viel wert ist – unabhängig davon, wie er aussieht, welche Sprache er spricht oder woher er kommt? Und wie können pädagogische Fachkräfte das im Kita-Alltag wirklich leben, abgesehen vom Leitbild auf dem Papier? Die DRK-Modellkitas für Demokratie & Vielfalt stellen sich genau diesen Fragen – und gehen dabei einen Weg, der so einfach wie wirkungsvoll ist: voneinander lernen, gemeinsam ausprobieren und Antirassismus als gelebte Haltung in der Einrichtung verankern.
Beim Treffen in Berlin vom 22. bis 23. Juni 2026 sind die acht DRK-Modellkitas gemeinsam mit Antirassismus-Expertin Jasmin Mouissi in die nächste Projektphase gestartet. An beiden Tagen drehte sich alles um die Themen Antirassismus, Vielfalt und Demokratiebildung sowie die Frage, wie diskriminierungssensible Pädagogik im Kita-Alltag nachhaltig verankert werden kann. Deutlich wurde: Die Herausforderungen in den Einrichtungen ähneln sich, wie z.B. die Frage zu konkreten Handlungsorientierungen beim Umgang mit diskriminierenden Äußerungen von Kindern, Eltern oder Mitarbeitenden. Die Erfahrungen und Lösungswege der einzelnen Kitas sind vielfältig und genau darin liegt der große Mehrwert des gemeinsamen Lernens.
Wir haben Kita-Tandems zwischen erfahrenen und neu hinzugekommenen Kitas gebildet: sie werden sich in den kommenden Monaten regelmäßig austauschen, voneinander lernen und ihre Erfahrungen gemeinsam reflektieren. Ziel ist es, Wissen nicht nur weiterzugeben, sondern gemeinsam weiterzuentwickeln und in die Praxis zu übertragen.
Ein Schwerpunkt des Projektjahres ist die Entwicklung eines Methodenkoffers für vielfaltssensible und rassismuskritische pädagogische Arbeit in DRK-Kitas. Dieser entsteht direkt aus den Erfahrungen der beteiligten Modellkitas heraus und soll Leitungs- und Fachkräften künftig konkrete Unterstützung und Handlungssicherheit in ihrer pädagogischen Arbeit bieten – ein Methodenkoffer aus der Praxis für die Praxis. Statt einer reinen Sammlung von Methoden steht dabei im Mittelpunkt: Was hätten wir uns selbst zu Beginn unserer vielfaltssensiblen Arbeit gewünscht? Aus dieser Perspektive entwickeln die Tandems selbstständig praxisnahe Bausteine, die anschließend in jeder Modellkita erprobt, reflektiert und weiterentwickelt werden. So soll bis Ende 2026 ein Arbeitsmaterial entstehen, das neben der Methodenvermittlung auch Erfahrungen, Stolpersteine und hilfreiche Reflexionsfragen sichtbar macht und konkrete Handlungsorientierungen für Kita-Teams geben kann.
Besonders wichtig ist uns dabei, dass wir nicht nur ins Handeln kommen, sondern auch nachvollziehen können, welche Veränderungen durch das Projekt tatsächlich angestoßen werden und bereits stattfinden. Deshalb arbeiten wir seit Anfang 2026 mit der Wirkungsmessungsmethode Outcome Harvesting.
Diese Frage steht im Mittelpunkt der Methode: statt nur zu prüfen, ob festgelegte Ziele erreicht wurden, sammelt die Methode konkrete Veränderungen aus der Praxis und schaut, welchen konkreten Beitrag das Projekt dazu geleistet hat. Im Modellkita-Projekt werden so sowohl erwartete als auch überraschende Entwicklungen sichtbar – etwa neue pädagogische Ansätze, veränderte Haltungen im Team oder stärkere Vernetzung zwischen den Einrichtungen. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild der Wirkung des Projekts und der Wege, auf denen Veränderung gelingt. So können wir die Prozessbegleitung kontinuierlich und agil an die Bedürfnisse der Modellkitas anpassen.
Aktuell findet erstmals eine Status Quo-Erhebung bezüglich der erworbenen Erfahrungswerte der Modellkitas statt: Sie erfasst den Ausgangsstand der Einrichtungen in zentralen Themenfeldern wie Antirassismus, Diskriminierungssensibilität, Reflexionskompetenz und Handlungssicherheit. Das bildet künftig unsere Grundlage, Entwicklungen während der Projektlaufzeit nachzuvollziehen, Veränderungen sichtbar zu machen und vor allem auf Bedarfe der Modellkitas passgenauer eingehen zu können.
Das Treffen hat gezeigt, wie viel Motivation, Offenheit und fachliche Kompetenz der Modellkitas bereits vorhanden ist. Mit den neu gebildeten Tandems und Tridems, der gemeinsamen Arbeit am Methodenkoffer und einer konsequenten Wirkungsorientierung sind wichtige Voraussetzungen geschaffen, um vielfaltssensible pädagogische Arbeit langfristig in den Modellkitas zu verankern. Wir freuen uns auf den weiteren gemeinsamen Weg mit den Modellkitas, das gemeinsame Lernen und den Erfahrungsaustausch und damit die stetige Weiterentwicklung des Projektes.
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Referentin Kinder- und Jugendhilfe
Cora Sacher ist seit 2025 als Referentin Kinder- und Jugendhilfe im DRK Generalsekretariat. Zu ihren Aufgaben gehört die innovative und bedarfsgerechte Projektentwicklung und -management rund um das Thema Kinder- und Jugendhilfe. Ihr Anliegen ist es zu einem chancengerechten Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen beizutragen. Seit ein paar Jahren liegt ihr Fokus auf Demokratieförderung und Antirassismusarbeit in Kindertageseinrichtungen.
Kontakt:
c.sacher(at)drk(dot)de