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Die Geschichte der DRK-Wohlfahrt

Prinzessin Luise von Baden gilt heute als eine der ersten Sozialpolitikerinnen Deutschlands und Gründerin der DRK-Wohlfahrt. Ihr Engagement für die Wohlfahrtspflege in Friedenszeiten ging weit über das hinaus, was für den Hochadel ihrer Zeit selbstverständlich war.

Eine Geschichte über Sozialpolitik

Hannes Jähnert / DRK
Prinzessin Luise von Baden - Gründerin des Badischen Frauenvereins

In eine Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche wurde am 3. Dezember 1838 Prinzessin Luise von Preußen geboren. Die Enkelin der gleichnamigen Königin wurde 1856 durch die Heirat mit Friedrich I. zur Großherzogin von Baden. Die Zeit der industriellen Revolution, einer Zeit des aufkommenden Nationalismus und zahlloser Kriege und Konflikte prägte Luise von Kindesbeinen an.

Als 1859 Piemont und Frankreich den "Italienischen Krieg" gegen Österreich führten, machten im Großherzogtum Baden zahlreiche Frauenvereine für die "Kriegsbewältigung an der Heimatfront" mobil. An die Spitze der Bewegung stellte sich die damals gerade 20 jährige Luise. Um die kommunale Armenfürsorge effektiv zu entlasten und kriegsbedingt Arbeitslosen wieder zu Beschäftigung und Einkommen zu verhelfen, regte sie an, eine nationale Hilfsorganisation mit Zweigvereinen im ganzen Land zu gründen. Der Badische Frauenverein mit Hauptsitz in Karlsruhe wurde gegründet.

Der Badische Frauenverein & das Rote Kreuz

Joerg F. Mueller
Henry Dunant, Gründer der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung

Zur gleichen Zeit bemühte sich etwa 400 Kilometer weiter südlich der Schweitzer Geschäftsmann Henry Dunant unermüdlich darum, das Leid der Verletzten auf dem Schlachtfeld von Solferino zu lindern. Wie Luise von Baden schlug auch Dunant in seinem Buch "Eine Erinnerung an Solferino" vor, freiwillige Hilfsorganisationen zu gründen, um die schrecklichen Folgen des Krieges zu lindern.

Während der Vorschlag Dunants bereits 1863 zur Gründung des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege (später dann Internationales Komitee vom Roten Kreuz) führte, gelang es Luise von Baden nicht im ersten Anlauf, den Badischen Frauenverein zu etablieren. Der Krieg war vorbei und obwohl auch die industrielle Revolution ihre Opfer forderte, stieß die Wohltätigkeit in Friedenszeiten noch auf nur wenig Zustimmung im Land.

Erst die folgenden "Reichseinigungskriege" und der Anschluss an das Roten Kreuz 1866 weckten das Bewusstsein für den Wert der Hilfsorganisation in Friedenszeiten. Ab 1872 etablierte sich der Badische Frauenverein und erlebte einen bemerkenswerten Aufschwung. Durch das Engagement der Großherzogin, die gemeinsam mit Behörden, Kirchen und Adligen für die Bewegung warb, konnte die Mitgliederzahl des Badischen Frauenvereins in den 1880er Jahren glatt verdoppelt werden.

Die DRK-Wohlfahrt zu Beginn des 20. Jahrhundert

Als eine der größten Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland ging der Badische Frauenverein zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Deutschen Roten Kreuz und seinen Schwesternschaften auf.

Als nationale Hilfsgesellschaft konzentrierte sich das DRK im Ersten Weltkrieg vornehmlich auf den Sanitätsdienst der deutschen Streitkräfte. Nach Kriegsende allerdings ging es erneut vornehmlich darum, die gesundheitliche und wirtschaftliche Not zu verhüten, zu bekämpfen und zu lindern. Die bestehenden Gliederungen des DRK wandten sich wieder der Wohlfahrtsarbeit zu. Als eine der dringlichsten Aufgaben wurde in der Satzung von 1921 "die Hebung der Volksgesundheit und die Bekämpfung von Seuchen und Volkskrankheiten" benannt.

Zu dieser Zeit betrieb das DRK Bewahranstalten und Spielschulen für Kinder, Mittagstische für bedürftige und ältere Menschen, Krankenhäuser und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Darüber hinaus leistete das DRK präventive Bildungsarbeit und initiierte ein Winterhilfswerk sowie eine "Deutsche Bewegung gegen deutsche Not".

Die DRK-Wohlfahrt im zweiten Weltkrieg

DRK-Krankenschwester im NS-Regime

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ließ sich das Deutsche Rote Kreuz schrittweise gleichschalten, um so das DRK auch im Nationalsozialismus zu erhalten. Die meisten Sozialeinrichtungen der DRK-Wohlfahrt dieser Zeit wurden durch die Volkswohlfahrt des NS-Regiems entschädigungslos enteignet.

Bald nachdem die Volkswohlfahrt so zur größten "Wohlfahrtsorganisation des deutschen Volkes" wurde, wurde die Freie Wohlfahrtsverbände nach dem "Führerprinzip" strikt hierarchisch gegliedert und verlor schließlich alle Wohlfahrtseinrichtungen. Auch das Jugendrotkreuz wurde aufgelöst.

> Lesen Sie mehr zur Geschichte des DRK im zweiten Weltkrieg

Die DRK-Wohlfahrt im 20. Jahrhundert

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm das DRK seine Wohlfahrtsarbeit schrittweise wieder auf. Im Vordergrund stand dabei die Betreuung von Kriegsheimkehrern und Geflüchteten. Mit zahlreichen aus dem Ausland finanzierten Hilfen wandte sich das DRK in der Nachkriegszeit vor allem Kindern zu.

In den 1950er Jahren starteten in der Bundesrepublik die ersten Vorläufer des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Noch vor der Gesetzgebung für die Jugendfreiwilligendienste führte das DRK 1964 als eine der ersten Organisationen einen Modellprojekt dafür durch und sollte später der größte Anbieter des FSJ in ganz Deutschland werden.

Das 1952 gegründete Rote Kreuz in der DDR kümmerte sich vor allem um den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, den Rettungsdienst sowie die Gesundheitserziehung. Wenngleich sich aber das Rote Kreuz in der DDR auch in der ostdeutschen Wohlfahrtspflege engagierte, spielte die DRK-Wohlfahrt hier nur eine untergeordnete Rolle.

Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der innerdeutschen Grenzen wandte sich das Deutsche Rote Kreuz unter anderem der Betreuung von DDR-Flüchtlingen zu. Zeitgleich begann die Zusammenarbeit beider Rotkreuz-Organisationen, die 1991 in die Aufnahme der sechs DDR-Landesverbände in das DRK mündete. In den folgenden Jahren engagierten sich auch die DRK-Gliederungen in den neuen Bundesländern immer stärker in der DRK-Wohlfahrt und entwickelten die heutigen Strukturen.

Bis heute ist die DRK-Wohlfahrt von den Grundsätzen des Roten Kreuzes "Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität" bestimmt. Als anerkannter Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland nimmt das DRK die Interessen derjenigen wahr, "die der Unterstützung bedürfen, um soziale Benachteiligung, Not und menschenwürdige Situationen zu  beseitigen sowie auf die Verbesserung der individuellen, familiären und sozialen Lebensbedingungen hinwirken".

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