Zwei Personen von hinten, eine trägt eine orangefarbene Jacke mit dem Logo des Deutschen Roten Kreuzes und legt den Arm um die andere Person

Bericht zur Bedrohungslage von Mitarbeitenden

Anfeindungen und Bedrohungen im Wohlfahrtsbereich

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat mit Hilfe eines Forschungsinstituts im Zeitraum von November 2025 bis Januar 2026 eine Bedarfs- und Umfeldanalyse zur Bedrohungslage von Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden im Wohlfahrtsbereich durchgeführt. Ziel war es zu erfassen, wie häufig Mitarbeitende von Anfeindungen betroffen sind, welche Unterstützung sie in solchen Fällen bereits nutzen und welche Bedarfe noch bestehen. 

Das Ergebnis: Anfeindungen gegenüber Mitarbeitenden im Wohlfahrtsbereich sind kein Einzelfall, sondern ein strukturell relevantes Phänomen. Rund 43 Prozent der 6.596 Umfrageteilnehmenden berichten von entsprechenden Erfahrungen. Die Vorfälle reichen von subtiler Abwertung und digitaler Delegitimierung über Desinformation und koordinierte Online-Angriffe bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Die Umfrageergebnisse auf einen Blick

Infografik mit statistischen Balkendiagrammen und Kreisdiagrammen zu Anfeindungen gegen Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende in der Wohlfahrtspflege, gegliedert nach Stadt vs. Land, Art der Anfeindungen, vermuteten Motiven, betroffenen Arbeitsbereichen, persönlichen Auswirkungen und gewünschter Unterstützung

Was sind die zentralen Erkenntnisse des Berichts?

  • Anfeindungen sind ein strukturell relevantes Phänomen

    Anfeindungen sind kein Einzelfall, sondern ein strukturell relevantes Phänomen. Sie treten in allen Handlungsfeldern, im Haupt- und Ehrenamt, in städtischen und ländlichen Regionen Deutschlands auf und sind Ausdruck eines konflikthafter werdenden gesellschaftlichen Klimas.

  • Art und Intensitität der Anfeindungen variieren erheblich

    Die Art und Intensität der Anfeindungen variieren erheblich, von subtiler Autoritätsunterminierung bis zu expliziten Gewaltandrohungen. Von Sachbeschädigungen bis hin zu körperlicher Gewalt.

  • Unterstützungsstrukturen und ihre Passung

    Unterstützungsstrukturen sind teilweise vorhanden aber es besteht eine zentrale Passungslücke. Sie sind nicht überall ausreichend bekannt, zugänglich und praxisnah.

Handlungsempfehlungen

Um Mitarbeitende besser zu schützen, empfiehlt der Bericht unter anderem Maßnahmen auf organisationeller und individueller Ebene:

Organisationelle Ebene

Unterstützungsangebote sichtbar machen und bündeln

  • Vorhandene Unterstützungsangebote wie Leitfäden, Beratungsangebote, Kommunikations- und Rechtsunterstützung sollten sichtbar gemacht werden und regelmäßig an (neue) Mitarbeitende und Leitungen kommuniziert werden.

Schutzkonzepte aufsetzen und einführen

  • Schutz- und Handlungskonzepte sollten träger- und einrichtungsspezifisch aufgesetzt bzw. konkretisiert werden, unter anderem durch die Entwicklung von Notfallleitfäden sowie der Festlegung von internen Melde- und Entscheidungswegen.

Regionale Netzwerke und Kooperationsstrukturen aufbauen

  • Nicht alle Bedarfe müssen organisationsintern bearbeitet werden. Daher empfiehlt es sich Kooperationen bspw. zu externen Fachstellen, psychosozialen Angeboten, Antidiskriminierungsberatungen gezielt zu nutzen. Je nach Handlungsfeld kann es zudem sinnvoll sein regionale Netzwerke mit Kommunen, Beratungsstellen, Präventionsakteuren sowie ggfs. den Sicherheitsbehörden zu stärken.

Qualifizierung und psychosoziale Unterstützung

  • Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote sollten an typischen Belastungslagen ausgerichtet werden. Es benötigt kompakte, praxisnahe, zielgruppenspezifische Formate für typische Eskalationslagen. Supervision, Fallbesprechungen und psychosoziale Unterstützung sollten regelmäßig angeboten werden.

Kultur der sichtbaren Rückendeckung durch Leitungsverantwortung

  • Mitarbeitenden benötigen die Erfahrung von Rückhalt durch Leitung und Organisation. Bei Angriffen auf Mitarbeitenden sind klare interne und öffentliche Positionierungen sicherzustellen. 
Individuelle Ebene

Handlungssicherheit durch Training

  • Mitarbeitende sollten konkrete Werkzeuge für den Umgang mit Bedrohungssituatinen erhalten, einschließlich Deeskalation, Dokumentation von Vorfällen und digitaler Selbstschutzstrategien.

Digitale Schutzkompetenzen

  • Schulungen zu Privatsphäre-Einstellungen, Umgang mit Doxing, Meldewegen und Community-Management stärken die Handlungsfähigkeit im digitalen Raum.

Resilienzförderung und Peer-Support

  • Niedrigschwellige kollegiale Austauschformate, Peer-Beratungsmodelle und Zugang zu professioneller Unterstützung tragen zur langfristigen Belastungsreduktion bei.

Klarheit über Rechte und Schutzmöglichkeiten

  • Individuelle Handlungssicherheit entsteht nur, wenn Mitarbeitende wissen, welche rechtlichen und organisationalen Ressourcen ihnen im Ernstfall zur Verfügung stehen und diese Informationen regelmäßig aktualisiert und kommuniziert werden. 
Deckblatt des Berichts "Anfeindungen und Bedrohungslage im Wohlfahrtsbereich"

Download des Berichts Anfeindungen und Bedrohungen im Wohlfahrtsbereich

Hier können Sie den vollständigen Bericht als PDF herunterladen:

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Kontakt: wohlfahrt(at)drk.de