
Auf Initiative des DRK kamen am 30. Januar rund 250 Teilnehmende aus den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege online zu einer Veranstaltung der BAGFW zusammen, um sich über die staatliche EUDI-Wallet und ihre Bedeutung für die Praxis zu informieren. Inputgebende waren die umsetzungsverantwortliche Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND) und die themenzuständige Referentin im DRK-Generalsekretariat. Die hohe Beteiligung und das große Interesse unterstreichen die Relevanz des Themas für die Verbände und ihre Einrichtungen. Auch das per Umfrage deutlich artikulierte Folgeinteresse zeigt: Die Auseinandersetzung mit der Wallet steht erst am Anfang, gewinnt jedoch bereits jetzt an Dynamik.
Die EUDI-Wallet soll künftig ermöglichen, offizielle Nachweise wie Fahrerlaubnis, Schwerbehindertenausweis oder Führungszeugnis digital zu speichern und bei Bedarf sicher vorzuzeigen. Für Verbände und soziale Einrichtungen eröffnet das zentrale Fragen: In welchen Bereichen sind durch Nutzung digitaler Nachweise welche konkreten Mehrwerte zu erwarten? Wie lassen sich papierbasierte Prozesse vereinfachen? In welchem Verhältnis steht der Nutzen zu den Investitionen? Und was bedeutet es Teil des EUDI-Wallet-Ökosystems zu werden?
Die Veranstaltung bot einen Einstieg in die Grundlagen, einen Überblick zu Rollen und zum entstehenden Ökosystem. Aufgezeigt wurden Chancen, Prozesse effizienter zu gestalten und administrative Lasten zu reduzieren. Als mögliche Anwendungsfälle exemplarisch benannt, wurden unter anderem der Masern-Immunitätsnachweis für Kitas, der vereinfachte Zugang zur elektronischen Patientenakte (ePA) sowie relevante Nachweise im Sozialleistungskontext – etwa Pflegegrade.
Gerade für vulnerable Zielgruppen könnte die Wallet echte Entlastung bringen. Menschen mit eingeschränkter Mobilität, ohne sichere Postadresse oder auch einfach Menschen ohne Drucker zuhause, stoßen heute oft auf unnötige Barrieren. Eine digitale Nachweismöglichkeit kann hier niedrigschwellige Optionen schaffen – vorausgesetzt, sie wird gut umgesetzt. Doch das funktioniert nur, wenn relevante Anwendungsfälle frühzeitig mitgedacht werden und die fachliche Perspektive der Verbände in die Entwicklung einfließt.
So vielversprechend das Potenzial ist, die praktische Umsetzung wirft derzeit noch viele Fragen auf:
Diese Unsicherheiten sind kein Grund zur Zurückhaltung, aber sie zeigen: Die Entscheidung zur Teilnahme für gemeinnützige Organisationen und insbesondere für kleinere Verbände ist voraussetzungsvoll.
Im DRK-Generalsekretariat wird es als entscheidend gesehen, dass die Bundesebene jetzt aktiv wird: Mindestens ein Pilotprojekt zu einem konkreten Anwendungsfall soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden. “Wir wollen nicht abwarten, sondern frühzeitig eigene praktische Erfahrungen sammeln und die Anforderungen besser verstehen - nicht nur technisch, auch finanziell und organisatorisch,” so die zuständige DRK-Referentin.
Sandbox-Tests und Pilotprojekte ermöglichen es, Use Cases unter realen Bedingungen zu testen. Das Rote Kreuz erhofft sich ableiten zu können, was nötig ist, um andere Verbände und Anwendungsfälle zu unterstützen und fundierte Handlungsempfehlungen entwickeln zu können. Das kann allen Verbänden helfen. Denn die Anforderungen für eine frühe eigenständige Erprobung sind für die Verbände nicht leicht zu erfüllen, insbesondere vor dem Hintergrund unklarer Kosten-Nutzen-Abwägungen.
Für die DRK-Referentin stehen bei der Priorisierung möglicher Pilot-Anwendungsfälle mehrere Kriterien im Vordergrund:
Ein besonders vielversprechender Kandidat: der Erste-Hilfe-Nachweis. Jährlich knapp 1,5 Millionen Menschen benötigen ihn im Kontext von Führerscheinanträgen und auch für andere Kontexte ist der Nachweis weiterverwendbar. Die Verbände stellen ihn häufig aus, die Komplexität ist vergleichsweise gering – ein idealer Startpunkt.

Die EUDI-Wallet bietet erhebliches Innovationspotenzial für die Sozialwirtschaft. Gleichzeitig bleibt vieles offen. Wer jetzt aktiv wird – testet, Feedback gibt und eigene Use Cases einbringt – hat die Chance, die Entwicklung mitzuprägen, statt später vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.
Die Veranstaltung hat gezeigt: Das Interesse ist da, die Bereitschaft zur Mitgestaltung ebenso. Jetzt kommt es darauf an, diesen Schwung zu nutzen. Für Organisationen, die eigene Anwendungsfälle erproben möchten, bietet eine Sandbox-Umgebung die Möglichkeit, sich frühzeitig mit der technischen und organisatorischen Umsetzung vertraut zu machen und aktiv an der Entwicklung mitzuwirken.
Die Präsentation der Veranstaltung sowie ein FAQ-Dokument mit den eingereichten Fragen stehen zur Nachlese bereit. Wer selbst testen möchte, findet Informationen zur Teilnahme an Sandbox-Tests ebenfalls dort.