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Geschichte der DRK-Wohlfahrtspflege

Die Anfänge der DRK-Wohlfahrtsarbeit

Damen des Bayerischen Rotkreuzvereins bei der Herstellung von Charpie
Bild: Damen des Bayerischen Rotkreuzvereins // DRK e.V.

Am Anfang war die Frau! Und es war nicht nur eine Frau, sondern viele Frauen mit der Großherzogin Luise an der Spitze.

Während Henry Dunant, der Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, 1859 unermüdlich versuchte auf dem Schlachtfeld von Solferino das Leid der Verletzten zu lindern und seine Mission, Kriege menschlicher machen zu wollen, entdeckte, widmeten sich in Deutschland bereits Frauen dem Aufbau von freiwilligen Hilfsvereinen zur Linderung der gesamten Not im Land. In diesem Zusammenhang übergab in Karlsruhe Großherzogin Luise von Baden dem Präsidenten des Innenministeriums von Stengel eine Denkschrift, in der sie sich für die Gründung einer Hilfsorganisation einsetzt. Dies war der Grundstein der DRK-Wohlfahrtspflege.

Schon bald nach der Genfer Konferenz 1863 entstanden Rotkreuzvereine im gesamten Land, der erste war der Württembergische Sanitätsverein. Im Vordergrund dieser Vereine stand die Versorgung von Verwundeten in Kriegen. Doch die Kriege 1864, 1866 und 1870 haben die Idee vorangetrieben, sich auch zivilen und sozialen Wirkungsbereichen zu widmen. Diese Bewegung gewann immer mehr an Gewicht. Der Badische Frauenverein hat sich dem Roten Kreuz 1866 angeschlossen.

Zu dem Portfolio vieler dieser Vereine gehörten von Beginn an die zivile Krankenpflege, die Gesundheitsaufklärung und die Fürsorge für Bedürftige. Im Mittelpunkt der Vereine stand somit ziemlich früh nicht nur die Hilfe im Falle eines Krieges, sondern die Hilfe in Notfällen allgemein. Schon 1882 schlossen sich Frauenvereine zum Verband Deutscher Krankenpflege-Anstalten vom Roten Kreuz zusammen – dem Vorgänger des heutigen Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V..

Die DRK-Wohlfahrtsarbeit nach dem Ersten Weltkrieg

Armenspeisung in München in den 20er Jahren
Foto: Armenspeisung in München in den 20er Jahren // DRK e.V.

Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte eine große Umbruchphase. Neue Strukturen für Friedenszeiten wurden geschaffen. In den vorangegangenen Jahren konzentrierte sich die Arbeit des Roten Kreuzes vornehmlich auf den Sanitätsdienst der deutschen Streitkräfte und wurde stark mit Militär und Monarchie verbunden. Fortan ging es stärker darum, gesundheitliche und wirtschaftliche Not zu verhüten, zu bekämpfen und zu lindern. Als eine der dringlichsten Aufgaben wurde in der Satzung von 1921 „die Hebung der Volksgesundheit und die Bekämpfung von Seuchen und Volkskrankheiten“ angesehen. Die bestehenden Landesvereine und Landesfrauenvereine wandten sich im Rahmen der allgemeinen Entmilitarisierung wieder verstärkt der Wohlfahrtsarbeit zu.

Zu dieser Zeit betrieb das Rote Kreuz u.a. Bewahranstalten und Spielschulen für Kinder (diese erfüllten damals die Funktion heutiger Kindergärten),  Mittagstische für bedürftige und ältere Menschen, Krankenhäuser sowie weitere Einrichtungen für behinderte und erkrankte Menschen. Überdies versuchte das Rote Kreuz – im Sinne eines präventiven Ansatzes – Menschen aufzuklären und Hygieneregeln zu vermitteln.

Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren zum Teil von großer Not geprägt. Im Jahr 1930 waren fünf Millionen Arbeitslose für das DRK Anlass genug, bei der Liga der Wohlfahrtspflege ein Winterhilfswerk anzuregen – und eine „Deutsche Bewegung gegen deutsche Not“ zu gründen. Schon damals wurde die auch heute noch sehr relevante Abwägung zwischen unmittelbarer akuter Hilfe und dem sozialpolitischen Anspruch auf Strukturverbesserungen vorgenommen.

Die Wohlfahrtsarbeit des DRK im Nationalsozialismus

Ab 1933 wird das DRK schrittweise gleichgeschaltet – bzw. ließ sich gleichschalten, um seine Existenz zu sichern. Die meisten DRK-Sozialeinrichtungen wurden durch die NS-Volkswohlfahrt entschädigungslos enteignet. Die NS-Ideologie betonte im Zusammenhang mit wohlfahrtspflegerischen Tätigkeiten zunächst noch die Bedeutung der „Friedensarbeit“. Auch das in der Weimarer Republik angeregte und sehr erfolgreiche Winterhilfswerk wurde unter den Nationalsozialisten vereinnahmt und entwickelte sich zu einer sehr zweifelhaften Regelleistung. Von der Freiwilligkeit, die das Winterhilfswerk anfangs prägte, konnte keine Rede mehr sein.

Als die NS-Volkswohlfahrt zur größten „Wohlfahrtsorganisation des deutschen Volkes“ wurde, setzte eine Offensive gegen die freien Wohlfahrtsverbände ein. Schnell wurde das DRK nach dem „Führerprinzip“ strikt hierarchisch gegliedert und verlor schließlich alle Wohlfahrtseinrichtungen. Auch das Jugendrotkreuz wurde aufgelöst.

Die DRK-Wohlfahrtsarbeit ab 1945

Nach dem Krieg nahm das DRK seine Wohlfahrtsarbeit schrittweise wieder auf. Es kümmerte sich um die Betreuung von Kriegsheimkehrern und Flüchtlingen und half bei zahlreichen vom Ausland finanzierten Hilfsmaßnahmen für Kinder.

In den 1950er-Jahren beginnen in der Bundesrepublik die ersten Vorläufer des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Das DRK ist 1964 noch vor der Gesetzgebung eine der ersten Organisationen, die mit einem Modellversuch starteten. Insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren kam es im DRK der Bundesrepublik zu einem nachhaltigen Ausbau der Wohlfahrts- und Sozialarbeit, zahlreiche Reformprojekte wurden auf den Weg gebracht.

Das 1952 gegründete Rote Kreuz in der DDR kümmerte sich vor allem und den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, den Rettungsdienst sowie die Gesundheitserziehung. Auch wenn sich bestimmte Wohlfahrtsaspekte selbstbewusst durchsetzten, spielte die Wohlfahrts- und Sozialarbeit nur eine untergeordnete Rolle.

Die DRK-Wohlfahrtsarbeit seit der Wiedervereinigung

Deutsches Rotes Kreuz Jahrbuch 89-90
Foto: Deutsches Rotes Kreuz Jahrbuch 89-90 // DRK e.V.

Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der innerdeutschen Grenzen kümmerte sich das Rote Kreuz u.a. um die Betreuung von DDR-Flüchtlingen. Zeitgleich begann die eigentliche Zusammenarbeit beider DRK-Organisationen, 1991 erfolgte die Aufnahme der sechs Landesverbände der neuen Länder in das DRK. Schritt für Schritt betätigten sich auch die DRK-Gliederungen in den neuen Bundesländern stärker im Bereich der sozialen Arbeit und entwickelten die heutigen Strukturen.

Bis heute ist die Wohlfahrts- und Sozialarbeit des DRK von den Grundsätzen Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität bestimmt. Als anerkannter Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege nimmt es die Interessen derjenigen wahr, „die der Unterstützung bedürfen, um soziale Benachteiligung, Not und menschenwürdige Situationen zu  beseitigen sowie auf die Verbesserung der individuellen, familiären und sozialen Lebensbedingungen hinwirken.“ Mit 400.000 Ehrenamtlichen trägt es aktiv zur Lösung der drängenden sozialen Herausforderungen bei.