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Integrations- und Teilhabekonzept des DRK für Geflüchtete

Dr. Joß Steinke, Bereichsleiter Jugend und Wohlfahrtspflege
Foto: Dr. Joß Steinke

Liebe Leserinnen und Leser,

gemeinsam wirken, miteinander gestalten…

Unter diesem Motto haben wir ein Integrations- und Teilhabekonzept des DRK für Geflüchtete erarbeitet, das am 24.11.2016 durch Präsidium und Präsidialrat beschlossen wurde. Mit diesem Konzept wollen wir Impulse setzen, um mit unseren Angeboten und unserem Engagement, aber auch mit unserem politischen Wirken einen wichtigen Beitrag für die Gestaltung der Lebensbedingungen von Geflüchteten in Deutschland zu erbringen.

Die Flüchtlingssituation im Jahr 2015 wird uns allen noch deutlich in Erinnerung sein. Am 31. August 2015 äußerte sich die Bundeskanzlerin in der Bundespressekonferenz zu den Herausforderungen durch die weiterhin steigende Zahl von Flüchtlingen, die in Deutschland Schutz und Asyl suchten. Die Herausforderungen seinerzeit bestanden vor allem in der Unterbringung und Erstversorgung sowie der Durchführung der Asylverfahren. Die Kanzlerin machte deutlich, dass die deutsche Gesellschaft diese Herausforderungen stemmen kann – aus dieser Rede stammt auch das Zitat „Wir schaffen das!“. Im Januar 2016 erreichte allein das DRK mehr als 141.000 Flüchtlinge in rund 490 Notunterkünften, bevor ab Februar ein deutlicher Rückgang der Ankunftszahlen zu verzeichnen war. Im Juni 2016 betreuten die Mitgliedsverbände noch etwa 30.000 Flüchtlinge in 369 Unterkünften, Tendenz stark rückgängig. Bereits im April 2016 sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters in einer Pressemitteilung zum Integrationsgesetz: „Die Integration von Flüchtlingen ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Gesellschaft für die nächsten Jahre.“

Wenn Sie nun das Integrations- und Teilhabekonzept des DRK für Geflüchtete zur Hand nehmen, fällt bereits mit dem Titel eine Veränderung auf. Bis Mitte 2016 sprachen auch wir meist noch von „Flüchtlingen“, da wir sie im Kontext des Ankommens, der ersten Versorgung und Orientierung sahen. Heute sprechen wir vermehrt von „Geflüchteten“. Was wir damit deutlich machen wollen ist, dass die Flucht zwar ein sehr bedrückender aber eben episodischer Lebensabschnitt der Betroffenen ist. Niemand soll über Jahre oder Jahrzehnte mit dieser Lebenserfahrung gleichgesetzt werden. Zwar birgt der Begriff „Geflüchtete“ ebenfalls noch diesen Zusammenhang, aber die Lebensepisode wird hier in die Vergangenheit gesetzt. Hier rückt also die Integration in den Fokus, unter dem wir einen ebenso individuellen wie gesellschaftlichen Prozess verstehen, weshalb wir als DRK mit dem erarbeiteten Konzept unsere Verantwortung formulieren wollen.

Um unserem Verband eine gemeinsame Basis für die Diskussion über Integration von Geflüchteten zu geben, haben wir in dem Konzept zunächst die Grundlagen unseres Auftrages, unser Verständnis von Integration und Teilhabe und die Bedeutung der Interkulturellen Öffnung beschrieben. Im Anschluss haben wir einige relevante Leistungen und Strukturen des DRK aufgegriffen, um unsere besonderen Kompetenzen und Ressourcen für die Arbeit mit Geflüchteten deutlich zu machen. In den Erwartungen an die Politik sprechen wir zentrale Themen an, für die sich das DRK als Gesamtverband stark macht. Im letzten Kapitel fassen wir die Empfehlungen zusammen, die wir aktuell sehen, um als DRK Integrationsbarrieren abzubauen und Teilhabe­möglichkeiten zu fördern.

Mit dem Integrations- und Teilhabekonzept des DRK für Geflüchtete wollen wir einen bereits begonnenen verbandlichen Prozess unterstützen. Das Konzept ist nicht als starre Vorgabe gedacht, sondern als Dokument, das weiterentwickelt und um Erfahrungen aus der Praxis ergänzt werden soll.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich an der Erarbeitung, Diskussion und Bereicherung des Konzeptes beteiligt haben und bin gespannt auf den weiteren Prozess in unserem Verband.

Dr. Joß Steinke

Bereichsleiter Jugend und Wohlfahrtspflege