Workshop 9

Gute Rahmenbedingungen für die Ehrenamtskoordination

Titelbild der DRK Broschüre „Wegweiser Ehrenamtskoordination“

Moderation: Sarah G. Hoffmann

Das Titelbild der DRK Broschüre „Wegweiser Ehrenamtskoordination“, verweist bereits auf einen wichtigen Grund, warum Ehrenamtskoordination nötig ist: Inzwischen ist das Ehrenamt im DRK so vielfältig, dass es Menschen braucht, die nicht nur die vielen Möglichkeiten zum Engagement im Verband kennen, sondern auch in der Lage sind, Interessierte und Aufgaben zusammenzubringen („Matching“) Ein weiterer wichtiger Grund ist der enorme gesellschaftliche Wandel, der auch das Ehrenamt erfasst. Verbände, die auf das Ehrenamt setzen, sind gefordert, neue Strategien zur Gewinnung, zum Einsatz und zur Begleitung von Ehrenamtlichen zu entwickeln.

Klar ist aber auch, dass Ehrenamt nicht umsonst zu haben ist, sondern kostet. Professionelle und nachhaltige Freiwilligenarbeit benötigt feste Ansprechpartner, die geschult sind und denen Zeit und entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass haupt-amtliche Koordination nötig ist, damit ein „für alle Beteiligte wertvolles und gelingendes ehrenamtliches Engagement nicht dem Zufall“ überlassen bleibt. (Wegweiser Ehrenamtskoordination S. 14).

Modellhaft lassen sich 3 Ebenen der Ehrenamtskoordination unterscheiden (Wegweiser S. 15): Ehrenamtsansprechpersonen sind persönliche BegleiterInnen vor Ort im direkten Kontakt mit den Ehrenamtlichen. Dies ist der operative Bereich. Dann gibt es EhrenamtskoordinatorInnen, die überfachlich begleiten und im besten Sinne des Wortes koordinieren. Dies ist die strategisch operative Ebene. Und schließlich gibt es die EhrenamtsmanagerInnen. Sie sind ‚MultiplikatorInnen des Themas‘, vertreten die Notwendigkeiten des Ehrenamts in Gremien, entwickeln Konzepte, initiieren Programme und Projekte und führen die Beteiligten in geeigneter Weise zusammen. Dies ist die strategische Ebene. Die genannten Aufgaben verteilen sich häufig auf unterschiedliche Personen, denen u.U. nicht klar ist, dass sie gerade als Ehrenamtskoordination bzw. EhrenamtsmanagerIn fungieren. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die verschiedenen Ebenen Hand in Hand arbeiten und sich miteinander abstimmen. Gute Rahmenbedingungen für die Ehrenamtskoordination schaffen nicht einzelne Personen alleine, dies ist eine gemeinschaftliche Aufgabe! Wie in einem Getriebe müssen die verschiedenen Ebenen miteinander verzahnt sein.

Aussagen der Teilnehmenden

Für die guten Rahmenbedingungen der Ehrenamtskoordination sind folgende Themen zentral (in Anlehnung an (Reifenhäuser C. und O. 2013):

  • Strategische Entscheidung für das Ehrenamt; Planung und Bereitstellen von Ressourcen
  • Information und Einbindung aller betroffenen MitarbeiterInnen
  • Entwicklung von Grundsätzen und Rahmenkonzepten
  • Verankerung der Ehrenamtskoordination im Organigramm; Benennung und Qualifizierung von KoordinatorInnen
  • Entwicklung von verbandsweiten Standards (insbesondere für die Anerkennung und für Beschwerdewege)
  • Schaffung von Möglichkeiten zur Partizipation
  • Kooperation und Vernetzung auch extern
  • Anpassung des Leitbilds und der Öffentlichkeitsarbeit entsprechend der Bedeutung des Ehrenamts
  • Entwicklung einer Ehrenamtskultur
  • Evaluation und Qualitätsentwicklung auch der ehrenamtlichen Arbeit

In der Diskussion (in kleinen Arbeitsgruppen entsprechend der eigenen Funktion) standen die folgenden Thesen im Vordergrund:

  • Ehrenamtskoordination gelingt nur, wenn die verschiedenen Ebenen auch miteinander kommunizieren.
  • Es reicht nicht, EhrenamtskoordinatorInnen zu benennen. Die Stellenanteile, die zur Koordination zur Verfügung stehen, müssen deutlich beschrieben sein (Koordination geht nicht ‚nebenbei‘).
  • Durch die neue verbandliche Definition des Ehrenamts entsteht ein Vakuum zwischen unentgeltlichem Ehrenamt und Ehrenamt mit Übungsleiterpauschale (Monetarisierung)
  • Ohne Ressourcen ist ehrenamtliche Arbeit nicht möglich. Dies wurde am Beispiel der Dienstkleidung für Ehrenamtliche diskutiert.
  • Es fehlt ein Überblick über die Höhe des Beitrags, den Ehrenamtliche tatsächlich für den Verband erbringen.