Workshop 6

Interkulturelle Öffnung in der Personalauswahl am Beispiel Altenhilfe

Referentin Prof. Dr. Juliana Roth, Institut für Interkulturelle Kommunikation, Ludwig-Maximilians-Universität München

Ergebnis / These: Alles Interkulturelle kann man lernen

Interkulturelle Öffnung bedeutet, dass eine Institution in ihren Strukturen und Prozessen die Bedeutung von Kultur und kultureller Vielfalt beachtet.

Meist unbewusst, machen wir Dinge (Sprechpausen, Blickkontakt, etc.) automatisch aus dem Bauch heraus - das kulturelle Wissen – es wird von den Angehörigen der gleichen Kultur geteilt und es steuert unbewusst unsere Handlungen. Außenstehende müssen dieses kulturelle Wissen erst erlernen und sich aneignen.

Kultur wirkt sich in Altenhilfe besonders aus. Zum einen geht es um „Familie“, um Nähe und Distanz (räumlich und emotional), Gefühlsäußerung, etc. Zum anderen sind z.B. Schmerzbeschreibungen- und -äußerungen geprägt und abhängig von Sprache und Kultur. („Mein Herz tut weh“ – das kann sich auf physische Herzschmerzen beziehen, aber auch auf seelische Schmerzen.)

Welches Wissen und welche Fertigkeiten braucht es in der Personalauswahl?

Personalauswahl - Welche Faktoren werden als besonders wichtig angesehen? Kompetent in der Sache? Emotionsfähig? Mitglied einer einflussreichen Familie? Sich als fähig darstellen zu können?

Wenn man Bewerber*innen zutreffend einschätzen will, ist es unerlässlich, Merkmale migrantischer Gruppen, Migrationsbiografien und Lebenssituationen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland zu kennen bzw. sich dieses Wissen anzueignen. Darüber hinaus braucht es die Fähigkeit, kulturelle Prägungen in ihrer Unterschiedlichkeit wertneutral anzuerkennen und Einfühlungsvermögen dafür zu entwickeln, welchen Stellenwert sie in der jeweiligen Situation haben. Und man muss sich klar machen: Kulturelle Prägungen sind einem selbst vielfach unbewusst. Das, was ich „normal“ finde, ist meine Prägung, in die kulturelle Inhalte und Werte wie selbstverständlich eingewoben sind. Es ist wichtig, sich dies klar zu machen und jede Kultur als gleichwertig zu betrachten – keine ist besser oder schlechter als eine andere. Darüber hinaus ist es enorm wichtig, „Kultur“ und „Situation“ auseinander zu halten, um Verhalten richtig einschätzen zu können. (Oft werden Verhaltensweisen auf die „Kultur“ geschoben, die jedoch situativ bedingt sind und auf bestehende Probleme hinweisen, deren Lösung ein anderes Verhalten zur Folge haben wird.) Es ist wichtig, die eigenen Stereotype gegenüber anderen Kulturen zu erkennen und selbstkritisch damit umzugehen. 

Im Bewerbungsgespräch und später in der konkreten Arbeitssituation kommen kulturelle Prägungen sowie situative Faktoren zusammen. Je direkter der Kontakt ist, umso mehr kulturelle Fallen, Fragen - wie auch Lernchancen gibt es. 

Fazit

Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, in kulturellen Überschneidungssituationen zufriedenstellend handeln und miteinander sprechen zu können. Man braucht dafür Wissen und man braucht dafür Fertigkeiten, um angemessen handeln zu können. Interkulturelle Kompetenz kann man lernen.