Workshop 11

Übergangsangebote ins Hauptamt – Freiwilligendienste als Ressource zur Gewinnung und Bindung hauptamtlicher Mitarbeiter*innen im DRK

(v.l.n.r.) Werner G. B. Ehrmanntraut, Personalleiter im BRK-Kreisverband Ostallgäu, Thomas Bibisidis, Referent für Freiwilligendienste im DRK-Generalsekretariat

Die DRK-Freiwilligendienste im Inland (FSJ und BFD) als Bildungsdienst ermöglichen jährlich rund 14.300 jungen Menschen bundesweit nicht nur ein soziales Engagement und eine persönliche Weiterentwicklung, sondern dienen auch ihrer beruflichen Orientierung in einem sozialen oder pädagogischen Tätigkeitsfeld. Auf diese Weise lernen sie bereits während ihres einjährigen Einsatzes das DRK und seine Arbeit kennen. Aus der Perspektive des Hauptamtes im DRK wirken die Freiwilligendienste damit als berufliche Sozialisationsinstanz. 

Zu Beginn des Workshops stellte Thomas Bibisidis, Referent für Freiwilligendienste im DRK-Generalsekretariat, die zentralen, übergangsrelevanten Ergebnisse der in den Freiwilligendiensten im Inland durchgeführten Befragung vor (siehe beigefügte Präsentation). 

Um die gemeinsame Erarbeitung praxistauglicher Lösungsansätze mit den Teilnehmenden des Workshops zu strukturieren, nutzte Werner G. B. Ehrmanntraut, Personalleiter im BRK-Kreisverband Ostallgäu, das Phasenmodell eines Freiwilligendienstes im Inland, um  zwei Leifragen zu formulieren.   

  • Welche Aktivitäten im Bereich Personal finden zu Akquise und Bindung von hauptamtlichem Nachwuchs derzeit im DRK statt oder sind in Planung?
  • Wann und wie lassen sich die verschiedenen Aktivitäten aus dem Bereich Personal im Verlauf eines Freiwilligendienstes verorten, um Synergien zwischen den beiden Bereichen zu erzielen?  

1. Angrenzende Lebensphasen und Zielgruppen 

Die Kernfragen waren, in welcher Lebensphase sprechen wir Bewerber*innen an, welchen Einzugsbereich nutzen wir, sind wir allen Alters- und Bevölkerungsgruppen aufgeschlossen, bzw. welches Anforderungsprofil setzen wir voraus. Die Diskussion mit den Workshop-Teilnehmenden ergab, dass sich überwiegend abgehende Schüler*innen für einen Freiwilligendienst interessieren und diese auch gezielt in den Schulen angesprochen werden. Hierbei ist ein besonderes Augenmerk auf die  Schüler*innen mit einem Hauptschulabschluss zu legen. Ein Potenzial wird künftig auch bei den Geflüchteten und Lebensälteren gesehen. Mit Blick auf die spätere Einmündung in eine hauptamtliche Tätigkeit gehören Sozialkompetenz und Bildungsinteresse zu den  wesentlichen Bestandteilen des Anforderungsprofils, das die Bewerber*innen in erster Linie erfüllen müssen.

2. Akquise- und Bewerbermanagement

Erörtert wurden die Marktposition des DRK, die zeitliche Planung, sowie die Möglichkeiten der Akquise, die Bewerberauswahl und die Begleitung. Als DRK sind wir in der Bevölkerung anerkannt und einer der zentralen Akteure für  Freiwilligendienste im Inland. Neben der Präsenz an den Schulen mit Botschafter*innen aus den Reihen der Freiwilligen müssen auch die Neuen Medien verstärkt und zielgerichteter genutzt werden, da der Wettbewerb unter den Anbietern von Freiwilligendiensten um die geringer werdende Anzahl von jungen Menschen zunehmen wird. 

3. Maßnahmen im Freiwilligendienst zur Bindung an das DRK

Diskutiert wurden, welche Möglichkeiten sich in der Zusammenarbeit zwischen Zentralstelle, Träger und Einsatzstelle im Rahmen der pädagogische Begleitung ergeben und welche Qualifizierungsangebote den Freiwilligen zusätzlich unterbreitet werden können. Gelebtes Leitbild und praktizierte Führungsgrundsätze sind die Grundlage für eine Bindung an das DRK. Wichtig ist eine stärkere Vernetzung der Akteure in den Freiwilligendiensten und in den Personalabteilungen sowie der jeweiligen verbandlichen Ebenen (Kreis- und Landes-, und Bundesverband). Dies gilt insbesondere bei externen Nicht-DRK-Einsatzstellen, in denen Freiwillige des DRK ihren Dienst absolvieren. Darüber hinaus sind von den Trägern von Freiwilligendiensten in Kooperation mit den Personalabteilungen der jeweiligen Einsatzstelle, Informationsveranstaltungen zur beruflichen Orientierung im Anschluss an den Freiwilligendiensten im Rahmen der gesetzlich verpflichtenden Seminartage durchzuführen sowie zielgruppenspezifische Qualifizierungsangebote außerhalb der gesetzliche verpflichtenden Seminartage anzubieten.    

4. Übergangsmanagement vom Freiwilligendienst ins Hauptamt

Es folgte ein Austausch zu Zeitplanung, Informationswegen und Angebotspalette für‘s Hauptamt sowie Kontaktpflege. Der Kreisverband/Träger könnten zu Beginn des Freiwilligendienstes bereits Informationsgespräche anbieten, spätestens nach 6 Monaten sind konkrete Angebote zu kommunizieren. Ansprechpartner*innen des Kreisverbandes/Trägersbegleiten bis zum Eintritt ins Hauptamt mit regelmäßigen Infos über Aktivitäten aus der künftigen Einsatzstelle.

5. Einmündung ins Hauptamt

Die Themen Einstellungsverfahren, Einarbeitung, Förderung und Entwicklungsperspektiven wurden vertieft diskutiert. Zur Einarbeitung stehen Paten zur Verfügung. Die Vorgesetzten unterstützen bei Defiziten und bieten Fortbildungen zur Vertiefung des Wissens an. Über Fördergespräche wird die individuelle Personalentwicklung geplant. Um die Freiwilligen, die im Anschluss an ihren Freiwilligendienst nicht unmittelbar in ein Hauptamt im DRK einmünden, für eine hauptamtliche Tätigkeit für das DRK zu gewinnen, bedarf es entsprechender personeller und finanzieller Ressourcen zum Aufbau einer vernetzten und systematischen Ehemaligenarbeit - auch in überregionaler Hinsicht. 

Gesamtfazit

Um das Potential der Freiwilligendienste als besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements für die Gewinnung und Bindung von hauptamtlichem Nachwuchs für das DRK zu heben, bedarf es eines Auf- und Ausbaus einer systematischen Kooperation und Vernetzung zwischen den Akteur*innen aus den Bereichen Freiwilligendienste und Personal mit ihrem jeweiligen Know-how und ihren Ressourcen - auch in überregionaler Hinsicht.  

Bedingt durch den demografischen Wandel müssen wir uns den veränderten Rahmenbedingungen stellen. Hierzu wären neue Wege im Personalmanagement zu gehen, eine Wissensvermittlung durch zentrale Seminarangebote wäre wünschenswert.