Infoshop 7

Ein Blick über den Tellerrand – Inklusion von Menschen mit Behinderung und Frauenförderplan

Im Workshop 7 berichteten der Vorstand Personal Martin Urban und der Gesamtschwerbehindertenvertreter André Steffen der Berliner Stadtreinigung (BSR) von ihren praktischen Erfahrungen bei der Förderung von Frauen und der Inklusion von Menschen mit Schwerbehinderung.

Die BSR ist ein kommunales Vorzeigeunternehmen mit einem Anteil von 36% weiblicher Führungskräfte und einem Anteil von 15,9 % Menschen mit Schwerbehinderung.

Für sie war es eine besondere Herausforderung, Frauen für den gewerblichen Bereich zu gewinnen. Dies ist durch klare Vorgaben des Vorstands hinsichtlich einer Einstellungsquote in der Reinigung von 50 % bei Straßen-und Grünflächenreinigerinnen, die Mitnahme der Führungskräfte und eine familienbewusste Unternehmenspolitik gelungen. In seinem Vortrag stellte Herr Urban heraus, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein Frauenthema sei, sondern ein wichtiges Thema der gesamten Mitarbeiterschaft.

Die Moderatorin Frau Uelze notiert die gemeinsam erarbeitete These.

Die BSR hat bereits seit 2006 einen verpflichtenden Frauenförderplan. So möchte sie z.B. im aktuellen Frauenförderplan den Frauenanteil in der Straßen- und Grünflächenreinigung von 17% auf 20 % steigen. Außerdem finden seit 2011 jährliche Gleichstellungskonferenzen statt. 

In seinem Vortrag machte der Vorstand Personal der BSR ferner deutlich, dass Frauenförderung auch Geld kosten kann z.B. durch den Umbau von Sozialräumen. Ist aber die strategische unternehmerische Entscheidung „pro Frauenförderung“ gefallen, können / dürfen Kosten kein Gegenargument mehr sein. 

In der Diskussion wurden die Teilnehmenden gefragt, wie das Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen in unseren Unternehmen ist, welche Barrieren es aus der Sicht der Teilnehmer*innen gibt, Frauen für Führungspositionen zu gewinnen, wie diese bisher überwunden worden sind bzw. welche Ideen es für Veränderungen gibt. Außerdem wurden vor allem die männlichen Teilnehmer des Workshops gefragt, warum es ihnen wichtig ist, dass Frauen in Führungspositionen arbeiten. Hier wurde vorgetragen, Frauen hätten oft eine andere Sichtweise, auch der Umgang (-ston) und das Soziale hätten sich verbessert. Ein Teilnehmer betonte, dass eine persönliche Ansprache von Frauen wichtig sei, um sie für Führungspositionen zu werben. Grundsätzlich wurde festgestellt, dass sich die Ansätze der BSR beim Thema Frauenförderung auch in der Wohlfahrtspflege nutzen lassen. Als zentrale These erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam mit den beiden Referenten: Wir müssen Frauenförderung wollen und dann schubsen!

Im zweiten Teil des Workshops erläuterte der Gesamtschwerbehindertenvertreter der BSR, wie Inklusion bei der BSR gelebt wird. So engagiert sich die BSR seit Jahren für die Eingliederung sozial benachteiligter und behinderter Menschen mit verschiedenen Projekten, z.B. für Jugendliche zwischen 18–25 Jahre ohne oder mit schlechtem Schulabschluss und/oder multiplen Vermittlungshemmnissen. Einen besonderen Stellenwert legt das Unternehmen auf einen positiven ressourcenorientierten Umgang mit Menschen mit Behinderung und Menschen mit einer Leistungsminderung. Hier sind die Schwerbehindertenvertretungen und die Gesamtschwerbehindertenvertretung wichtige Akteure (Treiber), die vertrauensvoll mit dem Vorstand zusammen arbeiten.  

In der anschließenden Diskussion, in der ähnliche Leitfragen wie zum Thema Frauenförderung besprochen wurden, wurde deutlich, dass auch hier die Haltung der Führungskräfte von Bedeutung ist. Als zentralen Satz erarbeiteten die Teilnehmenden die Sätze: INKLUSION: Wenn nicht wir, wer dann? Als DRK haben wir die Möglichkeit, jedem etwas anzubieten.