Infoshop 1

Die Ausbildung von internationalen Pflegekräften – ein Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Altenhilfe

Hr. Klingberg, Leiter der Altenpflegeschule Braunschweig des DRK LV Niedersachsen, stellt die Erfahrungen seiner Schule an vielfältigen Modellprojekten zur internationalen Fachkräftegewinnung vor.

Begrüßung und Einleitung (Hr. Bredthauer, Generalsekretariat)

Hinweis, unter dem Aspekt der Strategie 2020 „Entwicklung personeller Ressourcen im Haupt- und Ehrenamt“, auf die gelungene Formulierung von Ministerin Frau Schwesig „eine Komm-Struktur schaffen“, als Basis für die Gewinnung internationaler Pflegekräfte.
Im Kontext zur Strategiearbeit auch der Hinweis auf die vom VGBund beschlossenen Ziele für das Hauptaufgabenfeld Altenhilfe, welche aktuell dem Präsidium zur Entscheidung vorliegen.

  • Entwicklung innovativer Personalkonzepte
  • Steigerung der Ausbildungsrate
  • Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, wobei dieses dritte Ziel die Infoshopthematik berührt
Anhand der vorgetragenen Modellprojekterfahrungen, konnten auch die Teilnehmer*innen ihre eigenen Erfahrungen mit internationalen Bildungskooperationen in der Diskussion bewerten.

Vortrag und Diskussion (Hr. Klingberg, Altenpflegeschule Braunschweig, LV Niedersachsen)

Pilotprojekt „Fachkräftegewinnung für die Pflegewirtschaft“ des BMWi, der GIZ sowie dem Partnerland Vietnam (Vietnam I-Projekt)

Triple Win-Konzept: Vietnam benötigt eine Altenhilfe-Struktur und demzufolge das Know-How der Rückkehrer. In der Praxis besteht jedoch oftmals ein Interessenskonflikt bei dem Träger, der bestrebt ist die Pflegekräfte dauerhaft zu halten, damit sich seine Investitionen rechnen. Sprachniveau: Generelle Feststellung dass das B1 Niveau nicht ausreichend ist. Vietnamesische Pflegekräfte (welche des Öfteren in Vietnam schon das A2 Niveau erworben hatten, manchmal jedoch auch nur das Qualifizierungszertifikat gekauft  bzw. über das Goetheinstitut das B1 Niveau erworben hatten), haben oft im Unterricht ins Vietnamesische zurückübersetzen müssen. Fazit: Nur das B2 Sprachniveau reicht aus. Dieses war auch die Konsequenz für die Vietnam II Folgeprojekt. Wegen dem im Vietnam akademisierten Pflegestudium gab es jedoch auch Probleme mit der Grundpflege (machen in Vietnam die Angehörigen). Weitere Feststellungen im Infoshop: Praxisanleiter in den Einrichtungen benötigen interkulturelle Kompetenz und sprachsensibles Anleiten. Heimbewohner müssen gründlich vorbereitet werden. Online-Tool für die Pflegekräfte, um schulische Aufgaben zu Hause zu lösen, sinnvoll.

Pilotprojekt Vietnam II (Folgeprojekt aus Vietnam I, Herr Klingbergs Altenpflegeschule ist als Bildungseinrichtung mit dabei):

Erfahrungen aus dem Vietnamprojekt I flossen in die Folgeprojekte Vietnam II und Korea-Projekt ein. Demzufolge findet die Ausbildung mittlerweile vor Ort in Vietnam und auch Korea statt: D.h. 1. Pflegeausbildung  und Aufbau der Infrastruktur findet  in Vietnam und Korea direkt statt, es wird Know How vor Ort aufgebaut. 2. Qualifiziertere Pflegeausbildung, z.B. Pflegewissenschaften, findet jedoch in Deutschland statt.

Korea Projekt (Mitwirkende: Träger aus dem Vietnamprojekten, AWO, Wolfsburg AG sowie der VW AG, Herr Klingbergs Schule ist ebenfalls als Bildungseinrichtung dabei):

Diese regionale Vernetzung verschafft große Vorteile für die Beteiligten, da größere Kompetenzen für alle erforderlichen Verfahrensschritte zur Integration internationaler Pflegekräfte vorhanden sind. Entwicklung einer gemeinsamen Verfahrenscheckliste für dieses Vorhaben im Korea Projekt, welche alle Erfordernisse abbildet mit detaillierter Vorstellung und Besprechung der relevanten Komponenten im Infoshop. Diskussion über die Kenntnisprüfung: Situation bzgl. der Sprachprüfung, Goethetest verlangt Level B2. Auch Sachsen, Ba.-Wü. sind anerkannte Stellen für B2 Prüfung. Anpassungslehrgang nach § 20 a KrPflAPrV erforderlich, jedoch auch Kenntnisprüfung und Anerkennung aus einem anderen EU-Land möglich.

Diskussion nach dem Input

Diskussion um die Frage eines Teilnehmers: Hohe Jugendarbeitslosigkeit und mangelnde Erwerbschancen auch in Europa, warum Projekte mit Asien? EU - Fachkräfte für die deutsche Altenpflege seien begrenzt. Z.B. rein akademisch ausgebildete Pflegekräfte aus Spanien, waren in Projekten oft von der Altenpflegearbeit in Deutschland enttäuscht. Es kam zur Rückkehr ins Heimatland bzw. Abwanderung ins Krankenhaus. Berücksichtigung von Ländern mit mangelnden Erwerbschancen für die dort ausgebildeten Pflegekräfte, so die Diskussion, seien erforderlich. Jedoch, so ein Teilnehmer, entwickelte sich z.B. das hier derzeitig präferierte Vietnam mit seiner 2 Kind Politik, mittelfristig ebenfalls zu einer alternden Gesellschaft. Anmerkung eines weiteren Teilnehmers, dass sich mittlerweile auch in den Entsender-Ländern die Kultur selbst ändere. Durch den kulturellen Wandel (auch bedingt durch Wanderarbeit u.a.) ändern sich vor allem die Familienkonzepte vor Ort, welches wiederum zukünftige Altenhilfekonzepte vor Ort benötige. Der internationale Wettbewerb um Pflegekräfte, so die Diskussion, wird sich deshalb verschärfen, da hier auch andere Länder mit demografischen Problemen, z. B. China, zukünftig stärker intervenieren werden.