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Grußwort von Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg

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Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, DRK-Vizepräsidentin

Grußwort

DRK-Vizepräsidentin Freifrau Donata Schenck zu Schweinsberg
DRK-Vizepräsidentin Freifrau Donata Schenck zu Schweinsberg

Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg hat nach ihrer Ausbildung als Sozialpädagogin milieugeschädigte sowie psychisch kranke und drogenabhängige Jugendliche betreut. Seit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich, so zunächst im DRK-Kreisverband Wuppertal und seit 2006 als Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes. Sie vertritt das DRK im Deutschen Verein und in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, deren Präsidentin sie von 2009 bis März 2011 war. Darüber hinaus nahm sie von 2010 bis 2013 für die BAGFW am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ teil und war von 2011 bis 2014 Mitglied im Beirat der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin Schwesig,
liebe Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Deutsches Rotes Team. Ein Zeichen setzen für Engagement und Personal der Zukunft.“

Was steckt hinter dieser Überschrift? Ist es nur ein attraktives Statement aus unserer aktuellen Kampagne? Ausdrücklich NEIN!

Das Deutsche Rote Kreuz kann auf eine lange und erfolgreiche Tradition als Wohlfahrtsverband zurückblicken: Wir sind Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege. Wir sind mit unseren Einrichtungen, Angeboten und Diensten bundesweit in allen Feldern der Wohlfahrts- und Sozialarbeit aktiv. Das DRK hilft Menschen in schwierigen Situationen und nimmt in seiner anwaltschaftlichen Funktion die Interessenvertretung benachteiligter Bevölkerungsgruppen wahr. Es berät Politik und Verwaltung. Das machen wir gut und darauf können wir stolz sein.

Ehrenamtliche und hauptamtliche Arbeit: Wir sind ein gutes Deutsches Rotes Team

Möglich ist dies insbesondere durch Ihre ehren- und hauptamtliche Arbeit vor Ort. An dieser Stelle möchte ich deshalb ganz besonders Danke sagen. Wir sind ein gutes Deutsches Rotes Team.

Gleichwohl stehen wir vor einer großen internen Herausforderung: Wir wollen auch künftig gute und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und als DRK für Ehrenamtliche attraktiv bleiben. Gemeinsam müssen wir als Führungs- und Leitungskräfte unsere hauptamtlichen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen qualifizieren und weiterentwickeln und vor allem dazu beitragen, dass sie sich an das Rote Kreuz binden und gerne und lange bei uns arbeiten.

Und genau um diesen Dreiklang soll es an den zwei Tagen gehen: Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Haupt- und Ehrenamtlichen.

Mit Blick auf den demografischen Wandel und die bereits spürbare Fachkräfteknappheit in einigen sozialen Berufen ist klar: Das ist keine einfache Aufgabe.

Nehmen wir den Bereich Kita als Beispiel: Der Bedarf an Kitaplätzen steigt und der Ruf nach neuen Kindertageseinrichtungen ist in ganz Deutschland aus guten Gründen laut. Für uns als Deutsches Rotes Kreuz ist das auch gut so. Es ist eine riesige Chance, in diesem Feld weiter zu wachsen und im Sinne unserer Rotkreuz-Grundsätze gute pädagogische Arbeit zu leisten.

Allerdings müssen wir mindestens im gleichen Tempo für gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte sorgen. Im politischen Diskurs, aber auch in unserer praktischen Arbeit, müssen wir das Hauptamt klar vom Ehrenamt trennen und auf die Bedeutung des freiwilligen Engagements hinweisen. Wir sollten alles dafür tun, Ehrenamtlichen und Freiwilligen Räume zu schaffen, sich zu engagieren. Es muss schlicht um eine partnerschaftliche Verknüpfung von Haupt- und Ehrenamt gehen. Nur wenn es uns in diesem Sinne gelingt weiterhin ein gutes Deutsches Rotes Team zu sein, werden wir unseren eigenen hohen Ansprüchen gerecht und können Erwartungen, die die Gesellschaft an uns stellt, erfüllen.

Unser Wohlfahrtskongress soll Impulse für Ihre spezifische Personal- und Engagementplanung geben. Dieser Kongress soll Ihnen Mut und Lust darauf machen, die Zukunft gemeinsam zu meistern. Wir wollen gemeinsam ein Zeichen setzen für ein starkes Deutsches Rotes Team.

Anfang 2016 haben wir zusammen mit der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und Prof. Dr. Schumacher eine bundesweite Onlinebefragung in den DRK-Kreisverbänden durchgeführt. Ziel war es zu erfahren, wie attraktiv wir uns selbst einschätzen. Sind wir als Wohlfahrtsverband ein attraktiver Arbeitgeber? Wo sehen wir Entwicklungsmöglichkeiten?

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schumacher, ich freue mich sehr, dass Sie hier sind und uns nachher einige Ergebnisse dieser Befragung präsentieren.

Weiteren wissenschaftlichen Input wird uns morgen früh Frau Prof. Dr. Rosenkranz geben. Sie wird über Herausforderungen im Ehrenamt sprechen und sicher auch den einen oder anderen Lösungsansatz präsentieren. Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Rosenkranz, auch an Sie ein herzliches Willkommen!

In den Arbeitsphasen sollen etwa 20 Work- und Infoshops Impulse für Ihre spezifische Personal- und Engagementplanung vor Ort liefern. Nicht wir, sondern Sie gestalten Ihr Deutsches Rotes Team. Lassen Sie sich in den Work- und Infoshops inspirieren – unser Angebot bietet hierfür viele Möglichkeiten: Machen Sie sich fit für die Inklusion oder entwickeln Sie, mal ganz anders, Führungskompetenz durch den Tango Argentino. Sie können auch den Blick „über den Tellerrand“ werfen und etwas über das Freiwilligenmanagement in unseren befreundeten Rotkreuz-Gesellschaften Bulgarien, Luxemburg und Österreich erfahren. Sehr geehrte Frau Dr. Todorovska, sehr geehrter Herr Crochet, sehr geehrter Herr Guger – ich freue mich sehr, dass Sie hier sind!

Die meisten Herausforderungen müssen wir selbst angehen, das wissen wir. In unserer Strategie haben wir konkrete Ziele formuliert, die bis zum Jahr 2020 erreicht sein sollen. Ein Ziel ist es, „(…) die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten, hochmotivierten und ausreichend vielen ehrenamtlichen als auch angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu gewährleisten, um die Leistungen des DRK erbringen zu können.“ Mit diesem Ziel sind wir in vielen Feldern der Wohlfahrts- und Sozialarbeit auf einem guten Weg, in einigen Arbeitsbereichen müssen wir unsere Anstrengungen noch verstärken.

Politische Rahmenbedingungen schaffen

Damit unsere Zielvorstellungen Wirklichkeit werden können – 2020 ist ja auch nicht mehr lange hin… vielleicht wird es auch 2025 – müssen auch die politischen Rahmenbedingungen für die Engagement und Personalentwicklung stimmen und gestaltet werden. Ich möchte daher zwei drängende Forderungen des Deutschen Roten Kreuzes an die Bundesregierung formulieren.

Erstens: Das Deutsche Rote Kreuz befürwortet seit langem eine generalistische Pflegeausbildung. Auch mit Blick auf die Fachkräfteknappheit erwartet das DRK von der Bundesregierung darauf hinzuwirken, dass die Reform der Pflegeberufe baldmöglichst vom Bundestag verabschiedet und schnell umgesetzt wird.

Zweitens: Der Anteil der FSJler und BFDler mit Hauptschulabschluss oder ganz ohne Abschluss ist in den Freiwilligendiensten unterrepräsentiert. Hier ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefordert, einen stigmatisierungsfreien und niedrigschwelligen Zugang für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf zu schaffen.

Sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin Schwesig: Ihr Kommen ist eine große Bereicherung für diesen Kongress und für das Deutsche Rote Kreuz eine besondere Ehre! Herzlich Willkommen. Wir freuen uns sehr auf Ihre Eröffnungsrede!

Arbeitswelt 4.0

Last but not least möchte ich Sie auf den Fachvortrag zur Arbeitswelt 4.0 aufmerksam machen. Ich bin sicher nicht die Repräsentantin der digitalen Welt. Für das DRK-Generalsekretariat kann ich aber sagen: Wir haben verstanden. Digitalisierung ist schon lange kein exklusives Thema der Industrie mehr. Stichworte wie Ambient Assisted Living (AAL) oder E-Health zeigen auch mir: Die Sozialwirtschaft ist längst Teil der digitalen Welt. Innovationen und Entwicklungen werden unsere Arbeitsfelder weiter verändern. Wir stellen uns darauf ein. Zugleich sollten wir aber auch Gefahren erkennen und Grenzen der Digitalisierung aufzeigen. Der Mensch muss im Mittelpunkt aller digitalen Veränderung stehen.

Ich freue mich, auch weil ich selbst neugierig bin, sehr auf den Input von Herrn Abteilungsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales Benjamin Mikfeld zu den Erkenntnissen des Dialogprozesses der Bundesregierung zur Zukunft der Arbeit.

Lassen Sie sich inspirieren

Meine Damen und Herren, lassen Sie sich von Vorträgen und Ideen inspirieren und nehmen Sie den einen oder anderen Impuls mit nach Hause in Ihr Team. Stellen Sie Fragen, lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben und nutzen Sie den Kongress für den Austausch.

Ich lade Sie ein: Setzen Sie ein Zeichen für Ihr Deutsches Rotes Team.